Unterwegs für den Frieden

Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Liebe, der Kraft und der Besonnenheit. 2. Tim 1,7

"Unterwegs für das Leben" ist eine Bewegung, getragen von Frauen aus unterschiedlichen Kirchen und Konfessionen, die über konfessionelle und parteipolitische Grenzen hinweg für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung eintreten.

Die Hintergründe

Die Frauen sehen die ursächlichen Zusammenhänge zwischen ihrem eigenen Wohlergehen und der Ausbeutung und Zerstörung unserer Erde. Sie wollen die Verantwortung für das Über-Leben kommender Generationen nicht allein den Experten von Politik und Wirtschaft überlassen. Sie sind willens, ihre Zeit, ihren Verstand und ihre Fantasie für eine für alle Menschen bewohnbare Erde einzusetzen.

In einer Zeit tief greifender Veränderungen in Europa und allen Kontinenten, angesichts der Erwartungen und Hoffnungen von Menschen in Hunger- Kriegs- und Krisengebieten, sowie unter dem Eindruck zunehmender Gewalt in immer neuen Formen, sind sie dennoch zuversichtlich, dass Schritte der Versöhnung und Wege zum Frieden zwischen Menschen und mit der Natur getan werden können.

Sie machen sich gemeinsam auf den Weg von Ort zu Ort, um sich zu informieren und Gespräche zu führen mit Menschen in ihrem Alltag und mit Menschen, die besondere Verantwortung in Politik und Gesellschaft haben. Tägliche Besinnungen und Gottesdienste auf ihren Wegen geben Orientierung und Mut, nicht vor Sachzwängen zurückzuschrecken, sondern eigene Kompetenz zu gewinnen und sie einzubringen.

Es begann mit der Genfer Abrüstungskonferenz

Als Frauen ohne besonderes Mandat sind sie 1983 zu Fuß durch ganz Baden nach Genf gegangen, wo sie den Verhandlungspartnern der Abrüstungskonferenz einen Brief mit 46.000 Unterschriften übergaben und ihnen die Sorgen der Menschen über ein drohendes Scheitern der Verhandlungen vortrugen. Aufgrund hierbei gewonnener Erfahrungen sind die Frauen – vor allem aus Baden und Hessen – seitdem Jahr um Jahr viele Wege gegangen.

Infos zu den aktuellen Veranstaltungen finden Sie hier: http://www.ekiba.de/html/content/unterwegs_fuer_das_leben.html


 

Erika Herzog, von 1974 bis 2001 für die Frauenarbeit tätig, schreibt für die 100-Jahrfeier einen sehr persönlichen Text über die Anfänge von "Unterwegs für das Leben": Unterwegs_auf_dem_Felde_der_Ehre.pdf

70 Jahr Feier

Zur 70-Jahrfeier der Frauenarbeit, 1986, brachten die Mitarbeiterinnen eine Sitzung der Ortsgruppe Freiburg von 1916 auf die Bühne.  

 


 

 

 Aline Jung schreibt 2013 zu  30 Jahre "Unterwegs für das Leben":

 „Unterwegs für das Leben, 1983 in der Zeit der Friedenbewegung entstanden, ist eine der wenigen Friedensgruppen, die noch immer aktiv sind. Manches hat sich in den vergangenen 30 Jahren geändert; aber die Frage, was für den Erhalt des Friedens getan werden kann und muss, ist geblieben. 

1983 waren die Menschen beunruhigt und fühlten sich von der geplanten Stationierung atomarer Mittelstreckenraketen bedroht. Sie suchten nach Möglichkeiten, ihrer Angst und ihrem Widerstand Ausdruck zu verleihen. 1983 war der Predigttext des Frauensonntags die „Auferweckung des Jünglings von Nain". Frauen aus dem Kirchenbezirk Mosbach um Rosemarie Schmidt spürten aus diesem Text heraus den Auftrag, sich den Zügen des Todes und der Resignation entgegenzustellen. Sie schrieben einen Brief an die Verhandlungspartner in Genf und baten, mit dem Wettrüsten aufzuhören und zu bedenken, dass die schrecklichen Waffen nicht nur militärische Ziele bedrohen, sondern auch die Zivilbevölkerung, auch die eigenen Kinder und Enkel. Um dem Brief Nachdruck zu verleihen, wurde er drei Wochen zu Fuß von Gemeinde zu Gemeinde getragen und Unterschriften gesammelt. In Genf konnten schließlich 46.000 Unterschriften übergeben werden. Aber dort wurde uns auch gesagt: „Warum kommt ihr nach Genf? Geht zu euren Politikern nach Bonn, die haben die Stationierung beschlossen." 

So kam es, dass sich ab 1984 Jahr für Jahr Frauen zu Fuß auf den Weg nach Bonn machten, um mit politischen Verantwortungsträgern zu sprechen und sie immer wieder nach ihrem Einsatz für den Frieden zu fragen. Auf den Pilgerwegen den Rhein entlang durch viele Gemeinden suchten wir das Gespräch mit Kraftwerksbetreibern, Rüstungs- und Chemiefirmen, mit Vertretern von Katastrophenschutz und der Bundeswehr. Bibeltexte begleiteten unseren Weg und ermutigten uns, immer wieder unbequeme Fragen an die politischen Verantwortungsträgern zu stellen. 

Ende der 80er Jahre schlossen sich uns Frauen aus Hessen an. Ein besonderes Geschenk und Zeichen der Versöhnung ist für uns, dass seit 1990 Frauen aus Prag mit uns Jahr für Jahr unterwegs sind, hier in der Bundesrepublik Deutschland und fünfmal in Tschechien. Wichtig war immer, uns gegenseitig wahrzunehmen und uns unsere Lebensgeschichte zu erzählen. „Respekt und Versöhnung" nannten wir unseren gemeinsamen Workshop auf den Kirchentag in Stuttgart 1999. 

Der Umzug der Bundesregierung nach Berlin stellte uns vor neue Herausforderungen: „Wie können Wege nach Berlin gegangen werden?" – Wir wagten es. Mit der Unterstützung von Frauen aus Berlin-Brandenburg gab es zweimal Wege durch Brandenburg. Aber die durch die dünne Besiedelung großen Entfernungen und die nicht vorhandenen volkskirchlichen Strukturen zwangen uns zu neuen Formen. Nun sind wir jedes Jahr in einer Gemeinde in den neuen Bundesländern für eine Woche zu Gast, um dort und in der Umgebung „unterwegs zu sein", um zu hören, was die Menschen dort bewegt und uns auszutauschen. Arbeits- und Perspektivlosigkeit, der Wegzug junger Menschen, Umweltzerstörung u.v.a. belasten die Menschen. Potsdam, Erfurt, Stendal, Frankfurt/Oder, Forst/Neiße, Johanngeorgenstadt im Erzgebirge, Halle, Lutherstadt Wittenberg, Rostock, Magdeburg, Dresden und in diesem Jahr Eisenach waren bzw. sind für eine Woche unser Quartier. 

In Berlin finden daran anschließend jeweils vier Tage lang Gespräche mit Abgeordneten aller Parteien und auch mit Ministerinnen und Ministern statt. War es 1983 die Frage der Nachrüstung, die uns aufbrechen ließ, so sind es heute die Themen Gerechtigkeit, Friede und Bewahrung der Schöpfung. Das Ringen um Lösungen für die Überlebensfragen ist schwieriger geworden. Die Antworten sind nicht mehr so einfach wie 1983, aber es bleibt trotzdem die Aufgabe, sich diesen Themen immer wieder neu zu stellen und sie zu bedenken. Oft wurden wir gefragt „Was habt ihr erreicht?" Wir wissen es nicht. Aber viele der von uns angesprochenen Probleme sind inzwischen von der Politik aufgenommen worden: alternative Energiepolitik, zivile Friedensdienste, alternative Konfliktlösung, Rüstungskonversion, Umweltschutz, Bleiberechtsregelungen u.a.m."

Die Festschrift zu 30 Jahre Unterwegs für das Leben können Sie hier lesen.

Sprecherinnen

Die Sprecherinnen Ildiko Mumm, Christel Lottermann, Irmgard Frank, Gisela Thomasius, Aline Jung, Inge Müller. Es fehlt Hanna Fexer. (2013)

Die Frauen- und Friedensbewegung „Unterwegs für das Leben“ hat am 11.11.2016 den mit 2000.- € dotierten Marie-von-Marschall Preis 2016 der Frauenstiftung GRATIA erhalten.

Marie von Marschall-Preis 2016 

Damit würdigen die Evangelischen Frauen in Baden, Trägerinnen der Stiftung GRATIA, den jahrzehntelangen überkonfessionellen und überparteilichen Einsatz von Frauen aus Baden und Hessen für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung.  Die Laudatorin der Marie-von-Marschall-Preisträgerinnen, Oberkirchenrätin Karen Hinrichs, sah Parallelen in der Stimmung 1983 zu heute nach dem Sieg von Donald Trump bei den US-amerikanischen Präsidentschaftswahlen in dieser Woche – „Fassungslosigkeit bis hin zu Verzweiflung und Angst“.